Beitrag 04-124

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Datum/Uhrzeit: 18.12.2004 17:53
Titel: Mein erster DDR-Besuch mit Knipse (20 B.)

Vom 10.04.88 bis 24.04.88 war ich zu Besuch bei Verwandten in Halle an der Saale und Bekannten in Potsdam, Greifswald und Rostock.

Obwohl schon 1967, 1971 und 1975 'drüben' gewesen, hatte ich diesmal einen Fotoapparat dabei. Nicht die Spiegelreflex, die ich sonst seit 1986 benutzte, sondern eine Sucherkamera, die in einem braunen Lederetui verstaut wurde und so auch in einer Jackentasche Platz fand.

Schließlich war ich beim Fotografieren immer auf der Hut. Obwohl ich gelesen hatte, dass das Fotografieren nicht grundsätzlich verboten sei (problematisch war es wohl, wenn Stellwerke oder Brücken auf dem Motiv waren), fragte ich in den Bahnhöfen immer bei der Aufsicht sicherheitshalber nach.

Meistens bekam ich mehr oder weniger mürrisch eine positive Antwort. Nur in Halberstadt war man Eisenbahnfreunde wohl gewohnt; hier bekam ich sogar den Tipp, nach Oschersleben zu fahren, da wären noch Dampfloks im Einsatz. Doch dazu kam es nicht.

Mein erstes DDR-Foto ist jedoch eine Straßenbahn, entstanden unweit des Wohnbunkers meiner Verwandten in Halle, am Böllberger Weg. Meine Verwandten wurden übrigens 1975 'zwangsumgesiedelt', weil die Ausfallstraße nach Halle Süd wie hier zu sehen ausgebaut wurde. Sie durften noch nicht mal am Fenster des gegenüber liegenden Plattenbaus zusehen, als die alten Häuser (übrigens noch mit Plumpsklo im Hof...) unweit des Saaleufers gesprengt wurden.

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Das erste Eisenbahnfoto entstand dann auch noch im Schnellverfahren. Leider ist die 242 112 noch etwas weit weg, als sie hier mit der S-Bahn von Halle-Neustadt im Haltepunkt Halle Süd eintrifft. Kurz zuvor wurde ein Teil des Zwangsumtausches in dem nahe gelegenen Intershop in die Verwandtschaft investiert.

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So ein 'Touristenfoto' konnte man aber immer machen. Es zeigt den Vorplatz des Hallenser Hbf mit starker Bauaktivität. Hier konnte ich Vollbeschäftigung erleben: Ein Arbeiter schaufelte, während 10 andere drum herum standen. Oben rechts ist die relativ neue 243 284 zu sehen:

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Der Trabi vorne gehörte übrigens nicht meinem Cousin - der hatte einen Moskwitsch (ich weiß nicht, ob das richtig geschrieben ist, ich kann kein Kyrillisch...).

Weil es so einfach geht, schnell noch ein Foto von Tatra-KT4D am Ernst-Thälmann-Platz nahe des Hbf. Witzig sehen heutzutage die Feuerwehr und der Trabi rechts am Bildrand aus, fast wie auf einer Modellbahn:

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Gibt es hier eigentlich immer noch keine Lichtzeichenanlage? Das ist fast wie Autofahren in Italien. Weitere Straßenbahnfotos von HAVAG 1147+1148+182 und 1043+1042+171 machte ich dann noch in der Innenstadt.

Am nächsten Tag ging die Tour Richtung Halberstadt. In Aschersleben rangierte 102 106 als 'Rhodos 24' eine Bghw-Garnitur:

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Durchgangsverkehr herrschte in Form der solo fahrenden 132 173, 120 130 und 247. Im Bw am Bf standen 110 847, 171 838 und ASF 80. Im Bf stand 195 602, der glaube ich vom Eisenbahnclub Aschersleben im Bw am Rbf erhalten wird. Die 110 424, welche 1996 in Falkenberg zur Verschrottung abgestellt war, übernahm sehr gepflegt die vorher von 102 106 bereitgestellte Bghw-Garnitur:

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Am Bahnhofsvorplatz wendeten die beiden Halberstädter Straßenbahnlinien. Tw+Bw 44+61, 33+57 und hier 39+55 konnten abgelichtet werden. Von diesen sind übrigens Tw 39 und Bw 61 bei der Nostalgie der Halberstädter Straßenbahn erhalten geblieben:

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In Halberstadt mit dem markanten Formsignal zwischen den Gleisen stand 112 678 mit einer fünfteiligen Bghw-Garnitur:

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Im Bahnhof fotografierte ich noch 101 516, 101 617, 106 519, 106 907, 112 297 und einen Altbau-Bahnhofswagen, bevor es mit E 847 wieder zurück nach Halle ging. Aus dem fahrenden Zug (ich hatte ein Abteil für mich alleine) knipste ich noch Loks im Bw Halberstadt. Das erste Foto zeigt die desolate 50 3557 und rechts die ebenfalls schon abgestellte 119 008. Leider wusste ich das zu dem Zeitpunkt noch nicht, sonst hätte ich das Objektiv eher auf die 119 gerichtet. So bleibt sie die einzige von 13 119ern, die schon vor der Wende ausgemustert wurden, von denen ich ein Foto habe:

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Im Bw stand auch noch 52 8150.

Ein weiteres Foto habe ich eingestellt, weil ich hoffe, dass vielleicht jemand die Loknummern der weiteren abgestellten 119 im Bw Halberstadt kennt. Es zeigt eigentlich eine 50.35, von der ich auch keine Nummer habe, aber wichtiger wären mir die Identität der 119 davor und dahinter. Es war folgende Reihenfolge: 119 - 50.35 - 119 - gedeckter grüner Güterwagen - 50 3632 (ungefähr Höhe Bekohlungsanlage) - kurzer Heizkesselwagen - 119 - 50 3562:

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Ebenfalls aus dem E 847 heraus entstand ein Foto, wie es heute fast auch noch möglich ist. Es zeigt 106 661 neben einem 'VS 145' als Rangiererpausenbude (?), der heute noch auch vom Eisenbahnclub Aschersleben erhalten und noch an selber Stelle steht. Ich konnte ihm 1991 nur Fragmente der Betriebsnummer entlocken. Er trägt heute eine Aufschrift 'VS 145 044'. Stimmt das?

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Am nächsten Tag ging es mit der Verwandtschaft nach Sangerhausen, um dort das Urzeitmuseum zu besuchen, nicht aber ohne einen Blick in den nahen Bahnhof zu werfen. Dort bespannte die bestens gepflegte heutige Staßfurter Traditionslok 41 1231 einen schier endlos langen Kalkwagenzug:

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Noch einen Tag später suchte ich den Hbf in Halle auf. Nach den ermutigenden voran gegangenen Erlebnissen war ich nun schon etwas mutiger beim Fotografieren. Neben 105 160, 131 062, 211 060, 242 215 und einer LKM-V 22, die frisch das Raw Halle verlassen hatte und auf Abholung wartete, fuhr mir 211 002 über den Weg. Die ersten drei 211 hatten noch Lüftergitter mit waagerechten Lamellen, ähnlich den 'Schweiger-Lüftern' bei den DB-Einheitselloks der ersten Bauart:

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Am 15.04.88 ging es von Halle zu den Bekannten in Potsdam. Unterwegs wurde ich in Bitterfeld von der als Heizlok abgestellten 204 008 überrascht. Ein Foto kam deswegen nicht zustande. In Potsdam Hbf, welches später Potsdam-Pirschheide hieß und wo heute keine Züge mehr halten, wartete Tw 170 mit schwebendem Mittelteil und Bw 235 auf Fahrgäste:

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Einen Tag später fotografierte ich in der Innenstadt ein paar Straßenbahnen, so Tw 179+Bw 217, Tw 040+023 und Tw 178+Bw 221+222. Letzterer biegt hier vom Platz der Nation in die Leninallee ein:

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Der dahinter fahrende Reisebus dürfte mit Touris aus dem benachbarten kapitalistischen Ausland gewesen sein...

Am 17.04.88 ging es weiter nach Rostock. Am Hbf Potsdam stand diesmal ATw 878 in oranger Lackierung, ein ex 2x-Gotha-Tw:

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In Rostock gab es auch noch Zweiachser-Betrieb mit Tw 785+Bw 961+861 und 796+953+954.

In Greifswald entdeckte ich in der Scharnhorststraße folgendes Ensemble aus den ehemaligen Starloks 01 0513, 0517, 0519 und 0510 (v. r. n. l.):

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Die Anlage diente zur Heizdampfversorgung eines nahegelegenen Kindergartens, eines Krankenhauses und einer Brauerei. Soweit ich weiß, ist 01 0519 erhalten geblieben.

Schließlich waren noch mal zwei Tage Rostock angesagt. Den einen vertrieb ich mir hauptsächlich in Bad Doberan. Da aber 'Molli' fast noch genauso aussieht wie damals, gibt es davon kein Foto. Im Einsatz begegneten mir 99 2321 und 2323. Dagegen war 118 119 mit P 15126 auf jeden Fall ein Foto wert:

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In Rostock Hbf knipste ich auch noch 118 126 mit dem Gegenzug P 15129. Am nächsten Tag in Warnemünde entdeckte ich eine mir bis heute unbekannte 244. Da vielleicht jemand diese Lok identifizieren kann, stelle ich das Foto trotz Gegenlicht ein:

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Am 24.04.88 ging es über den Grenzübergang Herrnhut zurück nach Köln. Die nächste Begegnung mit dem real existierenden Sozialismus folgte noch im selben Jahr im September, allerdings in der Hauptstadt der DDR (Bilder folgen evtl.).